Bio Wissen Teil 2 - Tierhaltung

In unserer Reihe "Bio Wissen - Warum Bio nicht gleich Bio ist!" möchten wir Ihnen zeigen, wie sich die unterschiedlichen Regelungen in Pflanzenbau, Tierhaltung und Verarbeitung bei Bioland und innerhalb der EU-Bio-Verordnung begründen. Die EU-Bio-Verordnung ist ein Kompromiss aller EU-Mitglieder und daher führen die Standards naturgemäß nicht ganz so weit, wie die Richtlinien der deutschen Anbauverbände von zum Beispiel Bioland, Naturland und demeter.  

Die Tierhaltung ist im Biolandbau, sowohl innerhalb der EU-Bio-Verordnung (EU-Bio-VO) und vor allem bei Bioland oder Demeter sehr stark reglementiert. Hier geht es zentral um den Ansatz, dass Tieren mehr Platz geboten wird, die Tiere fast ausschließlich mit Bio-Futter versorgt werden und auch, die Größe der Tierbestände nicht ausufert (Vermeidung der industriellen Tierhaltung). Eine Besonderheit vom Demeter-Verband ist es, dass die Tierhaltung auf einem landwirtschaftlichem Betrieb sogar vorgeschrieben wird (außer bei Gemüse- und Obstbauern). Soweit geht die Richtlinie bei Bioland nicht.

Tieranzahl

Vergleicht man die Menge der erlaubten Tiere auf einem Hof von einen 100 ha Betrieb eines EU-Bio-Betriebes mit einem Bioland Betrieb wird deutlich, dass sich Bioland hier engere Grenzen auferlegt hat. Dies kommt auch daher, dass die Tierhaltung immer an die landwirtschaftliche Fläche gekoppelt sein soll!  

Max. Tieranzahl pro z.B. 100 ha Betrieb:  

Bioland     EU-Bio
14.000 Legehennen
(max. 6.000 Hennen je Stall)
  23.000 Legehennen
28.000 Hähnchen  
58.000 Hähnchen
1.000 Mastschweine   1.400 Mastschweine
140 Milchkühe   140 Milchkühe
     


Platz für die Tiere

Die Fläche, die den Nutztieren im Stall und im Auslauf, bzw. bei Hühnern im Nest und auf der Sitzstange zugedacht wird, ist bei der EU-Bio-Verordnung und bei Bioland gleich gesetzt. Nachzulesen in den Bioland-Richtlinien Anhang III.

Tiertransporte

Hier gibt es durchaus Unterschiede von EU-Bio zu Bioland oder Demeter. Die Transportdauer ist bis zu acht Stunden erlaubt, während Bioland und Demeter einen maximalen Transport von 200 KM und eine Transportdauer von maximal 4 Stunden vorschreibt.

Tiergesundheit

Beide Verordnungen, bzw. Richtlinien verbieten prophylaktische Behandlungen mit Hormonen oder chemisch-synthetischen Arzneimitteln. Bei Bioland sind zudem zahlreiche Wirkstoffe oder ganze Wirkstoffgruppen verboten oder nur eingeschränkt zulässig.

Herkunft des Futters

Die EU-Bio-VO schreibt 100% Futter aus ökologischer Landwirtschaft vor. Zudem müssen bei Rauhfutterfressern (Rinder, Schafe, Pferde) 60% vom eigenen Betrieb oder von regionalen Kooperationen stammen. Bei Schweinen und Geflügel sind es nur 20% der Futtermittel die eigens oder regional produziert sein müssen. Hier sind demnach viele Bio-Futtermittel-Zukäufe aus anderen Ländern möglich (z.B. Bio-Soja). Bioland regelt auch bei Schweinen und Hühnern dass mindesten 50% vom eigenen Betrieb oder aus regionaler Kooperation kommen muss.

Fischmehl

Der Einsatz von Fischmehl bei fleischfressenden Tierarten (Geflügel, Schwein) ist in der EU-Bio-VO erlaubt. Bei den Verbänden Bioland und Demeter ist dies grundsätzlich verboten!

Grünes Futter

Bei Bioland ist eine ganzjährige Fütterung von Wiederkäuern (Schafe, Ziegen, Rinder) mit Silage verboten. Im Sommer muss Grünfutter angeboten werden. Die EU-Bio-VO macht hier keine Vorgaben.

Fazit:

Bioland Betriebe dürfen nur kleinere Gruppen von Tieren halten. Der Platz, der den Tieren zur Verfügung gestellt werden muss, ist in der EU-Bio-VO und bei Bioland gleich. Bei den Tiertransporten unterscheidet sich die EU-Bio-VO von den Bioland-Richtlinien. Bioland-Tiere dürfen nur 4 Stunden und max. 200 km transportiert werden, EU-Bio-Tiere 8 Stunden.

Beim Einsatz des Futters für die Tiere setzt Bioland strengere Richtlinien als die EU-Bio-VO. Hier ist vor allem das Fischmehl (Hühner & Schweine) verboten und für Wiederkäuer muss es im Sommer Grünfutter geben.

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